Sechs Persönliche Erkenntnisse über Dolce, Prada, Gucci und viel Glitzer auf dem Laufsteg

 von Marcus Luft 


Bling – Boom – Bang

„Wenn es glitzert, klatschen die Leut!“ heißt eine alte Laufsteg-Regel. Vor allem bei den Shows von Giorgio Armani gilt dieses damals wie heute. Sobald ein Kleid mit Pailetten erscheint, flippen Fans aus.

In dieser Saison kam man, so gesehen, gar nicht aus dem Applaudieren heraus. Denn fast bei allen Kollektionen war es glitzerig. Prada bestickte sogar Wollröcke damit, Miu Miu setzte auf Glitzer-Patches, bei MSGM wurden die Hoodie-Kapuzenschnüre durch Strass-Ketten ersetzt. We love! „Das kann man alles auch am Tage tragen. Nur beim Ausgehen zu glitzern, ist total demodeé!“ sagte Karl Lagerfeld. Er lieferte, genauso wie Saint Laurent Paris, DIE Must-haves für den Herbst: Glitzer-Stiefel. Applaus. Applaus. Applaus.

 

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Bling Bling Fall 2017

 

She is back (war sie weg?)

Kein Finale war emotionaler als das der Prada-Show. Die Kollektion wurde bejubelt, es gab minutenlangen Applaus für Miuccia Prada. Die Kollektion war Prada vom Feinsten, eine Mischung aus Vintage-Prints, Sparkle und perfekten Accessoires. Ist aber egal. Denn bei mir ist es so: Prada bleibt die große Liebe, auch wenn ich sie gerade mit meiner Affäre namens Gucci betrüge. Trotzdem: Man merkt von der Stimmung, dass die Marke gerade nicht der Leader ist. Aber so läuft es eben. Mal geht’s bergauf, dann bergab, dann wieder bergauf. Die Königin von Mailand bleibt Miuccia trotzdem – und wird auch bald wieder alleine auf dem Thron sitzen.

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Prada Fall 2017

 

 

Power of Gucci

Warteschlangen vor der Tür, geschlossener Store, 150 aus ganz Europa eingeflogene Verkäufer – wer sich davon überzeugen wollte, wie die Gucci-sierung der Welt funktioniert, musste sich nur vor dem Flagship-Store in der Via Montenapoleone aufhalten. Waren die anderen Stores der Mitbewerber quasi leer, hielten sich die Massen bei Gucci auf. Die Marke macht aktuell einfach alles richtig. Zieht konsequent ihr Konzept, diese Mischung aus Absurdität, Romantik und Wahnsinn durch. Von der Schaufenster-Deko bis zur unfassbar guten Gucci-Show. Von der After-Show-Party im Mädcheninternat mit Drags als Gästen und dem neuen Sonnenbrillen-Werbefilm.  Wenn deutsche Firmen derzeit jammern, das Geschäft liefe so schlecht, sollten sie mal ein Study-Case von Gucci studieren. Nein, nicht um die Kollektion zu kopieren (Zara ist sowieso schneller) sondern zu begreifen, wie konsequente Markenführung geht. Mit Mut!

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Gucci Fall 2017

 

 

Abgehoben

Okay,  die Chanel-Rakete muss in einem Text über die Highlights der Modewochen auftauchen. Dieser Moment, wenn das Ding wirklich abhebt, geht in die Geschichte ein. Wie damals, als niemand glauben konnte, dass Marc Jacobs im Innenhof des Louvre einen echten Zug auf Schienen für Louis Vuitton einfahren lässt. Aber neben der Rakete gab es jede Menge spektakuläre Shows. Rihanna präsentiere Fenty x Puma in der französischen Nationalbibliothek. Grandioser Lesesaal! Dolce Gabbana ließ Influencer wieder einmal laufen und Austin Mahone traf live auf. Gleiches Prinzip wie bei der Dolce Männer-Show. Aber es funktionierte. Die Klamotten schaute sich irgendwie niemand an – aber vielleicht geht es darum mittlerweile auch gar nicht mehr.


 

Power to the People

Vor der Show war ich genervt, danach beseelt. Missoni ließ auf jeden Sitzplatz einen gestrickten Beanie als Gastgeschenk legen. Nur: Wer zu spät kam, den bestraften die Gierigen. Einige Raffzähne hatten sich gleich mit mehreren Mützen ausgestattet, so dass viele leer ausgegangen sind. Dass die Show trotzdem zu den besten Momenten zählt, liegt am Angela Missoni. Sie ergriff am Ende der Show, umringt von Models, ihrer Familie und einem Hund, das Mikrofon und forderte die Branche auf, gemeinsam gegen Hass und für Menschenrechte und Toleranz einzutreten. Tolles Zeichen. Und: Die meisten Zuschauer sahen mit dem Beanie total bescheuert aus…


 

 

Bald ist es soweit…

In den nächsten Monaten werde ich farblich noch einmal alles geben. Ich werde Gucci-Tiere tragen, mein Prada-Hemd mit Sombrero-Print ausführen und das Ganze mit Farben und Patches mixen. Ab Herbst ist damit aber Schluss. Und Schuld daran ist Raf Simons. Seine erste Kollektion für Calvin Klein, da bin ich sicher, wird das Comeback des Purismus genauso einläuten wie Calvin Klein Collection zu einem riesigen Hype verhelfen.Übrigens ist Rafs Premiere der Beweis dafür, dass Minimalismus sehr wohl eine Chance hat. Wird ja oft gesagt, dass man Purismus heute genauso auch bei Cos findet und es die minimalen Marken so schwer haben. Nö. Muss alles nur clever sein. Von der Unterhose mit dem neuen Logo-Bund über die Looks bis zu den Cowboyboots. Bis all das im Store ist, schaue ich mir das Runway-Video an und sei es nur wegen des ultragrandiosen Soundtracks. In  Calvin we trust!

 

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Calvin Klein Fall 2017 Raf Simons

 

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