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MäNNER / besprochen von Jeroen van Rooijen

Schnürschuh von Veronique Branquinho für Camper

Marke:
Camper
Modell:
18483-001
Preis:
um 300 Euro
Where to buy
Warum jetzt?
Die Mode von Veronique Branquinho war nie ganz einfach. Man musste immer ein bisschen Extranerven für ihre Kreationen haben. Die Frauen sahen oft aus wie katholische Klosterschülerinnen, und die Männer hatten immer etwas von leicht abgebranntem 70's-Playboy. Man musste also schon über einige stabile mentale und physische "assets" verfügen, um so etwas auszuhalten. Bekanntlich waren es am Ende nicht genug, die das Anforderungsprofil erfüllten: Veronique Branquinho hat Ende des letzten Jahres ihr eigenes Label nach über zehn Jahren Avantgarde-Frontdienst vom Markt genommen. Als Kreativdirektorin des Hauses Delvaux lebt ihr Spirit gleichwohl weiter - und natürlich als Gastdesignerin bei Camper, wo die schöne Belgierin mit Jahrgang 1973 einen besonderen Schuh für die Linie "Camper Together" gezeichnet hat. Vor ihr haben schon namhafte Größen wie Bernhard Willhelm, Jaime Hayon oder Alfredo Häberli Schuhe für diese Designer-Edition entworfen.
Mein Eindruck:
Veronique Branquinhos Camper-Schuh ist ein etwas spitzer Schnürer, den man als Hybrid zwischen klassischem Derby und Creeper bezeichnen könnte. Der Schaft ist weitgehend aus hellem, ungefärbten Rindsleder gearbeitet, die Schnürung und Fersenpartie sind mit einem naturbelassenen Leinen-Canvas bezogen. Der Schuh hat überdies eine weiße, geschäumte Gummisohle mit einem feinen schwarzen Profil. Als erstes fällt auf, wie leicht der Schuh ist - das dürfte vor allem aufs Konto der hellen Kunststoffsohle gehen, die von einer maskulinen Rahmennaht umschlossen ist. Er passt sich dank seiner leichten, einfachen Konstruktion und den hochwertigen Materialien problemlos dem Fuß an, sprich: Er sitzt auf Anhieb gut. Man kann sich vorstellen, auf dem Schuh nicht nur smart an der Bar herumzustehen, sondern auch längere Spaziergänge in der Stadt zu machen. So ganz ohne Probleme und Friktionen geht es dann aber doch nicht - sonst wär's ja wohl kein "echter" Branquinho! Zuerst stellt man fest, dass dies ein absoluter und unbarmherziger Schönwetterschuh ist, denn Regen würde dem hellen, ungefärbten Leder schnell eine fiese Patina geben. Dann fürchtet man um das strahlende Weiß der Sohle - man geht also die ersten Kilometer extra behutsam. Und schließlich bemerkt man, dass der Schuh, den zu kombinieren viele Männer zusätzlich herausfordern dürfte, kein "easy trick" ist, Komplimente zu sammeln. Die Reaktionen fallen gemischt aus: einige finden ihn zu spitz, andere doch etwas zu reduziert, nur wenige klatschen auf Anhieb. Doch wie gesagt: das muss man mit Madame Branquinho einfach aushalten können!
Jeroen van Rooijen
Standort: Zürich
Standpunkt: Mode ist erste Bürgerpflicht!
Hauptbeschäftigung: Schreibt Kritiken, Kolumnen und Geschichten für die "Neue Zürcher Zeitung", die "NZZ am Sonntag" sowie das dazu gehörende Magazin "Z". Ist ausserdem Buchautor - im Frühling erscheint das neueste Buch "Zerlegt - Mode auf dem Seziertisch"

Kauft mir das bitte jemand: Einen neuen Anzug inklusive Hemd und Schuhe von Dries van Noten

Das sollte niemand mehr tragen:
Shiny Moncler-Puffy-Jackets



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