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TASCHEN / besprochen von Verena Stehle am 14.11.2011

Just for fun! Folge 2: Bananen für alle

Marke:
MCM
Modell:
Phenomenon Bauchtasche von MCM
Preis:
um 790 Euro
Where to buy
Warum jetzt:
Minimalismus ist schön, gut und wichtig. Aber auch eine Spaßbremse. Auf Styleproofed bespricht unsere Münchner Mode-Reporterin Teile, die auf den ersten Blick vielleicht keine Funktion haben und schon gar keinen Sinn, aber Humor. Nehmt das, Vergnügungssüchtige!
Kontext:
Sagen wir, wie es ist: Die Bauchtasche war lange Zeit nur noch ein schlechter Witz. Amerikanische Touristen trugen sie auf Schloss Neuschwanstein und windige, Ketterauchende Typen, die auf dem Rummelplatz am Höllenblitz die Plastikchips einsammelten. Aber die Neunziger halten sich seit Monaten hartnäckig in der Mode, und wer heimlich die alten Folgen von ´Beverly Hills 90210‘ als Stilvorlage benutzt, der darf auch nicht über die Bauchtasche lästern. Gerade das macht sie ja auch aus: dass sie ironischer ist als jede Mulberry-Tasche. Wer den Trend historisch ernst nimmt, entscheidet sich für die Modelle von MCM, jener neulich wiederbelebten Marke, die in den 90er Jahren populärer war als Louis Vuitton. Das Najavo-Muster, das hier in Zusammenarbeit mit dem japanischen Streetlabel Phenomenon entstanden ist, ist dagegen schon wieder sehr 2012. Bedanken darf man sich für das Comeback der Bauchtasche übrigens bei Designer Marc Jacobs, der die sogenannte bum bag bei der Louis-Vuitton-Show für Frühjahr 2010 auf den Laufsteg zerrte. Und auch noch einen Fuchsschwanz an sie dran hängte, als wäre die Bauchtasche allein nicht schon genug.
Spaßfaktor:
So ein bunter hüpfender Sack am Bauch ist zuerst mal ungewohnt. Außerdem weiß man nicht recht wohin mit den Händen,  die sich vorher immer an Handtaschen respektive ihren Henkeln festgehalten haben. Mit einer Bauchtasche herumzulaufen ist fast ein wenig wie freihändig Fahrrad fahren, aber man gewöhnt sich an alles. Den lustigsten Namen hat die Hüfttasche in Frankreich, und zwar ob ihrer Form: sac banane.
Die Wirkung:
Wer nicht anecken will, lässt sich mit diesem Modell mit versilberten Zierplättchen besser nicht in einem Weltladen blicken, wo dann unter Umständen über den unsäglichen Ausverkauf von Ethno-Prints in der Mode geschimpft wird. Wer nicht weiter mit ihr auffallen will, trägt sie in Berlin auf der Neuen Schönhauser oder im Berghain. Überall sonst sollte man sich gefasst machen auf Reaktionen wie diese: ,,MC Hammer hat angerufen, er will seine Tasche zurück, hoho.’’
Die Ausrede:
1. Nicht MC Hammer, du Ochse, MCM. 2. Alle haben gerade Najavo-Muster. 3. Die 90er sind out? Du musst gerade reden, du mit deinem Fjällräven-Rucksack.
Was taugt es:
Warum die Rückseite aus Kalbsleder ist, die Vorderseite aber aus Stoff, erscheint etwas suspekt. Toll aber: So eine Bauchtasche zwingt einen zur Beschränkung. Mehr als Geldbeutel, Blackberry, Kaugummis, Lippenstift, Schlüsselbund passt da nicht hinein (vorausgesetzt man trennt sich von sperrigen Souvenirs und Designer-Plastikpistolen). So viel zur Theorie. Die Praxis sieht folgendermaßen aus: Ins Büro nimmt man wieder den großen Beutel mit; so ganz ohne Tageszeitung und zwölf anderen Sachen kann man dann doch nicht leben.
Passt zu:
einem eher schlichten Look beziehungsweise – sehr Neunziger – zu einer alten Levi’s 501 und Palladium-Boots (ja, auch die sind wieder zurück). Bitte ganz konventionell um die Hüfte tragen, und nicht, wie manch Halbstarker, schräg auf dem Rücken. Passt zu nichts von Pendleton.
Der richtige Anlass:
Wochenend-Aktivitäten. Supermarkteinkäufe, Herbst-Spaziergänge, Ski-Openings. Ja, das Silberdekor IST zu prätentiös für all das. Aber der November ist nun wirklich trist genug.
Verena Stehle
Standort: München
Standpunkt: ,,Don’t try too hard‘‘.
Hauptbeschäftigung: Feste Freie bei der Süddeutschen Zeitung am Wochenende, betreut die STIL-Seite. Schreibt dort, und für Magazine wie u.a.Cosmopolitan, über Mode und Zeitgeist.

Kauft mir das bitte jemand: Levi’s x Clot 1000% Bearbricks.

Das sollte bitte niemand mehr tragen: Den Coachella-Festival-Groupie-Look mit Band-Shirt, abgeschnittenen Jeansshorts und Hut.



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