Runway to Reality: Silke Bücker testet die neuen Prada Brogues
- Warum jetzt:
- Es war Liebe auf den ersten Blick. Zum ersten Mal sah ich die Brogues, eine Mischung aus Budapester, Espadrilles und Creeps, im Rahmen des Prada Defilées für Frühjahr/Sommer 2011. Ohnehin sind es zumeist die Schuhe, die bei Prada für mich in Frage kommen. In diesem Fall traf mich der Anblick mitten ins Herz. Ich fühlte mich zurückversetzt in eine Zeit, als ich ungefähr 16 war, mich ausschließlich schwarz kleidete, traurige Musik hörte und mit meiner Mutter einen erbitterten Kampf kämpfte: darum, Creeps tragen zu dürfen. Sie wissen schon, diese schwarzen oder schwarz-weißen Schuhe in Budapester-Anmutung mit breiter Kreppsohle und Schnallen. Am Ende durfte ich nicht, Doc Martens waren schlimm genug, fand Mama, und so blieb meine juvenile Sehnsucht lange unerfüllt – bis zuletzt. Die aktuelle Saison hatte noch nicht mal begonnen, als ich ihm zum ersten Mal live begegnete. Im Schaufenster von Prada auf der Kö in Düsseldorf. Ich stürmte das Geschäft und es folgte schnell die Ernüchterung. Der Schuh sei nur ein Ausstellungsstück, aber ich könne gern mal probieren, denn zufällig war es meine Größe. Er passte und ich wollte ihn kaufen – sofort. Aber ich durfte nicht. „Sie können den Schuh bestellen“, erklärte mir der Verkäufer, Wartezeit bis zu acht Wochen. Ich zögerte, wohlwissend, dass ich nur wenige Wochen später in Mailand sein würde, wo ich mir höhere Chancen auf einen Sofortkauf ausrechnete. Bestellen war mir irgendwie zu devot.
- Zwei Wochen später in Mailand:
- Kaum hatte ich die Metro am Duomo verlassen, tat sich der erste von gefühlten 20 Prada-Stores in der italienischen Metropole vor mir auf. Im Fenster: Brogues, in meiner Lieblingsfarbe Cognac. Ich betrat das Geschäft, fragte nach und es folgte die bekannte Leier. Schuh anprobieren ja, kaufen nein. Langsam verlor ich die Geduld. Ich erklärte dem Verkäufer, dass ich lediglich das Wochenende in Mailand verbringen würde und eine Bestellung daher nicht in Frage käme. Er wies mich an, zu warten und hielt ein paar Meter weiter Rücksprache mit seiner Kollegin. Sie musterte mich lang und eingehend, aus dem Augenwinkel sah ich, wie sie nickte. Der junge Mann kam zurück und erteilte mir feierlich die Erlaubnis. Ich war dem Schuh würdig. Ich durfte Brogues bezahlen und mitnehmen. Welche Ehre! Irgendwie aber war mir nach dem ganzen Hin und Her die Lust vergangen. Ich ließ mir den Schuh gönnerhaft reservieren und verließ das Geschäft. Draußen sah mein Mann mich entgeistert an. „Du wolltest ihn doch unbedingt!?“ „Ja, aber das ging mir jetzt irgendwie zu schnell.“ Einen Teller Pasta und ein Glas Weißwein später kam ich zur Vernunft und hatte den Schock über diese unerwartete Entwicklung der Angelegenheit überwunden. Ich ging zurück, zahlte – und siegte. Die erste Trageprobe erfolgte gleich am nächsten Tag. Ich hatte ein bisschen Angst, dass der Schuh aufgrund des extrem harten Leders eventuell unbequem werden könnte oder Scheuerstellen provozieren würde. Meine Sorge war unbegründet.
- Passt zu:
- Es lässt sich wunderbar darin laufen und er wird von Mal zu Mal bequemer. Er passt wunderbar zu kurzen Kleidern und Shorts mit blickdichter Strumpfhose, aber auch zu Jeans und Maxiröcken, und im Sommer werde ich ihn sogar zu nackten Beinen ausführen. Ein bisschen ängstlich bin ich noch, ihn bei Regen oder in Clubs zu tragen. Ich glaube der Schaumstoff- und Strohteil der Sohle ist ziemlich schmutzanfällig und schwer zu reinigen.
- Neidfaktor:
- Egal wo ich bin, ernte ich neidische Blicke und werde ständig auf die Brogues angesprochen. Dieser Schuh ist wirklich speziell und sein Geld absolut wert. Das erste Mal seit gefühlten zehn Jahren wandele ich wieder gerne auf flachen Sohlen, ohne mein Outfit langweilig zu finden. Sogar meiner Mutter gefällt er. Naja, sie geht eben auch mit der Zeit.
Die Prada Brogues gibt es auch für Männer. Was Autor Adriano Sack von ihnen hält, erfahren Sie hier
- Ja, ein genialer Coup von Chanel! (0%, 0 votes)
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- Keine Ahnung, mich langweilt der Brangelina-Hype... (75%, 3 votes)
- Was wohl Coco Chanel dazu sagen würde? (0%, 0 votes)