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MODE / besprochen von Adriano Sack am 17.01.2011

Runway to Reality: Adriano Sack testet die neuen Prada Brogues

Marke:
Prada
Modell:
Zweifarbige Brogues von Prada
Preis:
um 550 Euro
Where to buy
Warum jetzt:
Die Modekritikerin der New York Times, Cathy Horyn, glaubt an das heraufziehende Zeitalter des Meta-Gender: Nach Crossdressern und Albinos als Models sieht sie künftige Stilikonen die Grenzen von Geschlecht und Schönheit in noch ungeschauten Versionen überwindend. Die Sommerkollektion von Prada war ein kleiner Schritt dorthin. Die Jungs trugen retrofuturistische Silhouetten, mit deutlichem Nicken in Richtung Frauenmode der 70er, und eine computergestützt-psychedelische Farbpalette. Die Schuhe waren die Quintessenz dieser Kollektion: Als hätte man in den Laboren des Films „Gattaca“ den Michael-Alig-Look neu destilliert.
Der erste Eindruck:
Wie die berühmte Fächertorte der Wiener Konditorei Demel besteht dieser Schuh aus mehreren Schichten, die nicht unbedingt viel gemeinsam haben. Fangen wir oben an. Ein klassischer Brogue, allerdings dreifarbig: die Spitze waldgrün, der Körper kobaltblau und um das Einstiegsloch karamellbraun. Die Farben sind so kräftig und rein, dass sie einen dezidiert künstlichen Effekt produzieren. Dieser Teil des Schuhs würde perfekt in die Welt von Tim Burtons Alice im Wunderland passen. Unter dem Brogue hat Miuccias Schuhabteilung ein Zwischengeschoss aus geknüpftem Hanf eingezogen, wie er bei mediterranen Sommerschuhen verwendet wird. Darunter wiederum eine weißgraue Plastiksohle mit sehr starken Riffeln, die an Sneakers, FlipFlops UND Creepers erinnern. Das ergibt eine Laufhöhe von ca. 4,5 Zentimetern. Kein Wohlfühlschuh sondern ein Statement. Aber für was? Aber Mode soll ja Fragen stellen und nicht beantworten.
Passt zu:
Allem und nichts. Eine Garderobe, die zu diesem Schuh passt, möchte man sich nicht vorstellen. Schon gar nicht kaufen. Andererseits: Nach nur zwei Tagen möchte ich nicht mehr ohne diesen Schuh leben. Und ich wünschte mir, ich hätte die metallisch glänzenden Helmut-Lang-Anzüge aus den 90ern nicht wegen einiger läppischer Brandlöcher weggeworfen.
Preis-Leistung:
Mit diesem Schuh ist jeder Schritt ein Auftritt. Auch wenn man die Lacher vielleicht nicht immer auf seiner Seite hat. „Bang for your buck“, fordern Amerikaner bei Kaufentscheidung. Mehr „bang“ ist in dieser Saison kaum möglich.
Adriano Sack
Standort: Berlin & New York
Standpunkt: Deeper and Deeper
Hauptbeschäftigung: Gründer und Herausgeber von ilikemystyle.net und "Ilikemystyle Quarterly", Executive Editor der deutschen Ausgabe von "Interview", Autor für Welt am Sonntag, Pin-Up, Monopol


Kauft mir das bitte jemand: Eine All-You-Can-Eat-Every-Season-Subscription für den Commes des Garcons Laden in der 22nd Street. Einige Schlüsselwerke von Ed Ruscha. Die +J-Kollektion bei Uniqlo ohne in der Schlange stehen zu müssen. Obwohl das inzwischen für meine Partnerin Eva und mich ein geliebtes Ritual ist. Ein Haus (4 Schlafzimmer, 4,5 Badezimmer, Outdoorkitchen) auf Ibiza. Und natürlich die aktuelle Jil Sander Kollektion. Plus: den passenden Hochzeitsanzug.

Das sollte niemand mehr tragen: Hier muss ich leider eine langweilige Antwort geben. Ich glaube, dass praktisch alles tragbar ist, allerdings nur in ausgesuchten Fällen. Derzeit könnte ich ganz gut auf Rollkragenpullover unter Anzugjacken verzichten.



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